Neurologie Alzenau
seit 1997

Hoffnung bedeutet: 

Das Beste in der Zukunft erwarten und daran arbeiten, es zu erreichen. 

Willibald Ruch  

Krankheitsgeschichte und körperliche Untersuchung

Die Krankheitsgeschichte ist in der Neurologie sehr bedeutsam und von zentraler Bedeutung, da sie eine Diagnosefindung ermöglicht. 

Nach der Erfassung der Krankheitsgeschichte wird der Neurologe eine körperliche Untersuchung, die einzelne Leistungen des Nervensystems testet, durchführen. 

Die Organsysteme, die in der Neurologie Berücksichtigung finden, sind Gehirn und Rückenmark, die Umgebungsstrukturen wie z. B. die Hirn- und Rückenmarkshäute und die Hirnnerven. Auch die versorgenden Gefäße des Nervensystems sowie das periphere Nervensystem einschließlich dessen Verbindungsstrukturen mit den Muskeln sowie die Muskulatur sind sehr wichtig. 

Die Informationen, die aus der Erfassung der Krankheitsgeschichte und des körperlichen Befundes gewonnen werden, helfen dem Neurologen die Beschwerden zu lokalisieren. 

Auch kommen spezielle neurologische Untersuchungsmethoden (Apparative Diagnostik) zur Anwendung, die eine Diagnosesicherung ermöglichen. 

Neurologische Zusatz-Diagnostik

Die neurophysiologische Diagnostik ermöglicht Aussagen über die Funktionsfähigkeit des Gehirns, einiger Hirnnerven, des Rückenmarks, der peripheren Nerven sowie der Muskulatur. 

Die bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT zeigen die Struktur-Schädigungen des Nervensystems bei einigen Krankheiten. 

Die Doppler- und Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße zeigen Verengungen oder Verschlüsse der hirnzuführenden Gefäße und sind bedeutsam bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder bei der Schlaganfall-Vorbeugung.

Die Funktionen verschiedener Abschnitte des Nervensystems können im Rahmen der körperlichen Untersuchung, der neurophysiologischen Diagnostik und der neuropsychologischen Test-Untersuchung überprüft werden.

Neurophysiologisches Labor:

1. Elektroencephalographie (EEG)

Beim EEG handelt es sich um die Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns. Bei der EEG-Untersuchung wird Ihnen zuerst eine Gummihaube auf den Kopf gesetzt. Darunter werden mehrere Elektroden befestigt, die vorher in einer Kontaktlösung eingelegt wurden. Diese Hautelektroden nehmen den bioelektrischen Strom auf und leiten ihn an einen empfindlichen Verstärker weiter. Die Assistentin wird Sie bitten, während dieser Untersuchung möglichst gut zu entspannen und gelegentlich die Augen zu öffnen oder zu schließen. Später werden Sie dann noch aufgefordert, während einiger Minuten sehr tief und schnell zu atmen. Die Untersuchung ist schmerzlos und ungefährlich und dauert etwa 40 Minuten. Der Arzt kann aus der aufgezeichneten Hirnstromkurve verschiedene Funktionsstörungen ablesen.

2. Visuell evozierte Potentiale (VEP)

Die visuell evozierten Potentiale (VEP) überprüfen die "Sehbahn" von der Netzhaut bis zu den für das Sehen verantwortlichen Nervenzellen im Hinterkopf. Bei dieser Untersuchung, die die Funktion der Sehnervenbahn darstellt, müssen Sie für einige Minuten konzentriert auf einen Bildschirm schauen, auf dem Sie ein Schachbrettmuster erkennen können. Dieses Schachbrettmuster ändert sich etwa einmal in der Sekunde. Der Lichtreiz führt in Ihrem Auge zu einer bioelektrischen Aktivität, die vom Sehnerv an das Gehirn gemeldet wird. Auf dem Hinterkopf werden schmerzlos kleine Plättchen aufgeklebt. Diese Hautelektroden nehmen den bioelektrischen Strom der Hirnoberfläche auf und leiten ihn an einen empfindlichen Verstärker und Schreiber weiter. Aus der Größe und Leitungszeit dieser bioelektrischen Potentiale kann der Arzt auf eine Funktionsstörung der Sehnerven schließen. Die VEP-Untersuchung ist nicht schmerzhaft und ungefährlich. Diese Untersuchung dauert etwa 30 Minuten.

3. Akustisch evozierte Potentiale (AEP)

Die akustisch evozierten Potentiale (AEP) überprüfen die Nervenfasern der Hörbahn, die durch den Hirnstamm laufen. Diese Untersuchung ist u. a. wichtig bei der Schwindel- und Tinnitus-Diagnostik. Bei dieser Untersuchung wird die Leitungsfunktion des Hörnerven überprüft. Sie erhalten einen Kopfhörer, in dem Sie kurze Geräusche im einen oder anderen Ohr hören werden. Auf dem Hinterkopf werden kleine Plättchen aufgeklebt. Diese Hautelektroden nehmen den bioelektrischen Strom auf und leiten ihn an einen empfindlichen Verstärker weiter. Die AEP-Untersuchung ist nicht schmerzhaft und ungefährlich. Sie dauert etwa 30 Minuten.

4. Somatosensibel evozierte Potentiale (SEP)

Die somatosensibel evozierten Potentiale (SEP) überprüfen die Übermittlung von Gefühlswahrnehmungen an das Gehirn über die Nervenbahnen von Armen und Beinen sowie im Rückenmark. Auf der Haut oberhalb des Knöchels und oberhalb des Handgelenkes werden kleine Metallplättchen oder Filzstücke aufgelegt. An der Kopfhaut werden ebenfalls kleine Metallplättchen aufgeklebt. Am Fuß und am Handgelenk werden etwa drei- bis fünfmal pro Sekunde kurze, nicht schmerzhafte Stromimpulse gegeben, die zu einer Erregung der Nervenkabel führen. Diese bioelektrische Erregung breitet sich über das Rückenmark bis zum Gehirn aus und kann an der Kopfoberfläche mit den dort angebrachten Hautelektroden gemessen und mit einem Verstärker und Schreiber aufgezeichnet werden. Der Arzt kann aus der Leitungsgeschwindigkeit und Form dieser evozierten Potentiale auf Funktionsstörungen der Nerven und Rückenmarksbahnen schließen.  Bei dieser Untersuchung ist es sehr wichtig, daß Sie sich vollständig entspannen. Die SEP-Untersuchung ist ungefährlich und dauert etwa 30 Minuten.

5. Elektroneurographie (ENG)

Die Nerven sind bioelektrische Kabel, ohne die wir weder unsere Muskeln bewegen noch etwas fühlen könnten. Bei manchen Erkrankungen wird die bioelektrische Leitungsfähigkeit verändert. Man kann die bioelektrische Leitung messen und damit auf die Art der Störung schließen. Unter der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit versteht man die Geschwindigkeit, mit der ein peripherer Nerv Informationen vom Gehirn zum Muskel leitet. Unter der sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit versteht man die Geschwindigkeit, mit der Gefühlsnerven Informationen von der Haut zum Gehirn leiten. Der untersuchende Arzt oder die untersuchende Assistentin befestigt auf Ihrer Haut kleine Metallplättchen, durch welche die bioelektrische Nervenaktivität geleitet und mit einem Verstärker auf dem Bildschirm wiedergegeben wird. Für jeden Nerv wird an zwei oder drei Stellen eine stabförmige Filzelektrode auf der Haut aufgesetzt und anschließend ein ultrakurzer Stromimpuls durch diese Elektrode geschickt. Die Elektroneurographie ist ungefährlich und dauert zwischen 10-20 Minuten.

6. Elektromyographie (EMG)

Das Elektromyogramm stellt die bioelektrische Aktivität eines Muskels dar. Bei einer Nerven- oder Muskelschädigung (z. B. durch einen Bandscheibenvorfall) verändert sich diese bioelektrische Aktivität. Diese Veränderung kann im Elektromyogramm dargestellt werden. So ist es möglich, genaue Aussagen über die Ursache und die Verteilung einer Nerven- oder Muskelschädigung zu machen. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine gezielte Behandlung. Wenn sich Körpermuskeln zusammenziehen, entsteht bioelektrische Aktivität. Diese Aktivität können wir mit dünnen Nadelelektroden im Muskel messen und beurteilen. Der untersuchende Arzt sticht die dünne Nadel durch die Haut in den Muskel ein. Der kurzdauernde Schmerz entspricht etwa dem, den Sie bei einer Injektion verspüren. Mit der Nadelelektrode wird jetzt der bioelektrische Strom des Muskels abgeleitet und in einem Verstärker und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Auch Sie selbst werden Ihre eigene Muskelaktivität bei der Untersuchung sehen und hören können. Es wird während der gesamten Untersuchung keinerlei Strom durch die Nadel geschickt und nichts eingespritzt. Diese Untersuchung ist ungefährlich. Wenn sich im Verlauf der Untersuchung herausstellt, daß an mehreren Stellen eines Muskels oder an verschiedenen Muskeln eine solche Untersuchung nötig ist, müssen wir die Nadel-Elektrode auch an mehreren Stellen einstechen. Die Untersuchung wird aber immer auf das absolut Notwendige beschränkt. Nach einer elektromyographischen Untersuchung kommt es gelegentlich zu einem leichten Schmerz, der nach kurzer Zeit wieder abklingt. Es können auch mal einige Tropfen Blut aus der Einstichstelle austreten. Aus diesem Grunde werden wir dann ein Heftpflaster aufkleben.

Neurovaskuläres Labor:

Doppler-/Duplex-Sonographie

Schlaganfälle werden häufig durch Verengungen oder Verschlüsse der Gefäße verursacht, die das Gehirn mit Blut versorgen. Diese Verengungen der Hirngefäße lassen sich mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen besonders gut und risikolos darstellen. Die sog. Doppler-Sonographie (benannt nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler) kann ohne Belastung für den Patienten feststellen, ob Gefäßverengungen vorliegen. 

Doppler-Sonographie

Bei der Doppler-Sonographie wird zunächst eine Sonde auf die Haut aufgesetzt, die die Blutkörperchen beschallt. Die Doppler-Sonographie beruht auf dem sog. Doppler-Prinzip, wie man es auch z. B. im Straßenverkehr kennt. Nähert sich ein Auto, vermittelt das Geräusch höhere Töne, entfernt es sich, gibt es entsprechend tiefere Töne wieder. Die Bewegung der Blutkörperchen wird von dem Gerät in Zischlaute umgesetzt, die man als Patient bei der Untersuchung mithören kann. Bestimmte Eigenschaften der Zischlaute gestatten dem Untersucher, das Ausmaß von Verengungen, die meist durch Arteriosklerose entstanden sind, über die in den Verengungsstellen auftretenden Blutflußgeschwindigkeitsveränderungen zu messen.

B-Bild

Mit Hilfe des B-Bildes lässt sich ein Gefäß mit seinem Hohlraum direkt darstellen. Verengungen werden so direkt bildhaft sichtbar, während sie bei der Doppler-Sonographie aufgrund schnelleren Blutflusses indirekt erschlossen werden.

Duplex-Sonographie

Die Duplex-Sonographie vereint die Vorteile von Doppler-Sonographie und B-Bild. Auf dem Bildschirm sieht man einerseits die Gefäßbegrenzungen, zusätzlich jedoch den Blutfluß innerhalb des Gefäßes. Man kann somit recht präzise besonders im Halsbereich Gefäßeinengungen beurteilen und im weiteren Verlauf eventuelle Zunahmen bis hin zum drohenden Gefäßverschluss erkennen.

Neuropsychologische Test-Untersuchung

Viele Menschen kennen Situationen, in denen sie Namen, Telefonnummern oder kürzlich Erlebtes nicht mehr erinnern. Kommen diese Erinnerungslücken nur gelegentlich vor, spricht man von einer gutartigen Vergesslichkeit – bei Zunahme der Symptomatik kann jedoch der Übergang zu einer krankhaften Vergesslichkeit (Demenz) z. B. Alzheimer-Krankheit gegeben sein. In diesem Fall werden wir bei Ihnen eine oder mehrere Testuntersuchungen durchführen. Alle Tests sind "Formulartests"; d. h. Ihnen werden schematisierte Vordrucke vorgelegt oder es werden Ihnen vorgegebene Fragen nach vorgegebener Reihenfolge gestellt, die Sie beantworten müssen. Die auf Grund der einzelnen Testergebnisse festgestellten "kognitiven Störungen" werden mit einer Punktezahl versehen, die Punkte werden am Ende addiert. Ihr gewonnener Punktwert ist aber kein Ersatz für die Vorgeschichte Ihrer Beschwerden, die im Rahmen eines Arztgespräches erfragt werden.

Labor-Untersuchung

Gelegentlich sind Laboruntersuchungen zur Erkennung Ihrer Erkrankung notwendig. Sie müssen bei den Laboruntersuchungen, die in der Neurologie notwendig sind, in der Regel nicht nüchtern zur Untersuchung kommen. Sehr häufig sind Laboruntersuchungen bei Ihrem Hausarzt zu Beginn der Erkrankung bereits erfolgt. Erfahrungsgemäss werden uns diese Ergebnisse nur sehr selten mitgeteilt. In diesem Fall werden die gewünschten Laboruntersuchungen in einem ausführlichen Arztbericht Ihrem Hausarzt zur Vermeidung von unnötigen Untersuchungen mitgeteilt. Er kann in diesem Fall überprüfen, ob die notwendigen Untersuchungen bereits erfolgt sind. Im Rahmen medikamentöser Therapie-Maßnahmen sind häufig Laboruntersuchungen zur Überwachung der Nebenwirkungen oder der Wirkungen eines Medikamentes notwendig (z. B. Therapie mit Medikamenten gegen Epilepsie). In diesem Fall teilen wir Ihrem Hausarzt die notwendigen Untersuchungen in einem Arztbericht mit. Gelegentlich müssen wir diese Untersuchungen selbst durchführen, damit wir rasch eine Veränderung der Medikation vornehmen oder auch die Wechselwirkungen der Medikamente erkennen können.  Je nach Art der Untersuchung werden ein oder auch mehrere Röhrchen abgenommen, die an ein qualifiziertes Labor geschickt werden. Unsere Laboruntersuchungen erfolgen in einem Labor mit erfahrenen Laborärzten.  

 
 
 
 
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